Ali Gutsfeld: Manchmal Alexander, manchmal Ali
Shownotes
Alexander Ali Gutsfeld ist Journalist und Host der Podcasts ‚Nicht mehr mein Land' (ARD) und ‚Das Lederhosen-Kartell'".
Seine Mutter kommt aus Ägypten, sein Vater aus Deutschland. Seine Eltern gaben ihm bewusst einen deutschen Namen. Alexander sollte es in Deutschland leichter haben, Ali war dann die praktische Abkürzung seines Namens für Ägyptenbesuche. Heute wechselt er je nach Situation zwischen beiden Namen.
Im Gespräch mit Florian Sochatzy erzählt er, wann er Alexander ist und wann Ali, warum er sich als Teenager für den Namen geschämt hat, den er als Kind geliebt hat, und was passiert ist, als er in Kairo Arabisch gelernt hat und gemerkt hat, dass er dort als Europäer auffällt, während er in Deutschland als Deutscher durchgeht.
Worüber wir sprechen: – Zwei Vornamen, zwei Identitäten: Wann ist er Alexander und wann Ali? – Warum seine Mutter ihm bewusst einen deutschen Namen gab – Wie sich das Reden über Migration seit 2015 verändert hat – Warum Dialekte im deutschen Film und Fernsehen unterschätzt werden
EduCouch Spezial: Deutsch geht auf Weltreise – elf Folgen, elf Länder, elf Geschichten über die deutsche Sprache in der Welt – anlässlich der Fußball-WM 2026, eine Kooperation von EduCouch, dem Cornelsen Verlag und dem Goethe-Institut USA.
Das Interview führte Florian Sochatzy.
Transkript anzeigen
00:00:02: Edu-Couch.
00:00:03: Deutsch geht auf Weltreise, elf Folgen, Elfländer und elf Geschichten.
00:00:11: Herzlich willkommen auf der Edu-couch!
00:00:13: Heute reißen wir nicht nur in die Ferne sondern auch mitten hinein in die Gräben der eigenen Gesellschaft.
00:00:21: Unser heutiger Gast trägt zwei Vornamen, die auf seine unterschiedlichen nationalen Identitäten hinweist.
00:00:28: Er selbst hat sich mal als der privilegierteste Migrant aller Zeiten bezeichnet.
00:00:34: Herzlich willkommen Alexander Ali Gutzfeld, er ist unter einem Host des ARD-Podcasts nicht mehr mein Land!
00:00:42: Hallo!
00:00:54: Genau, du benutzt wie gesagt zwei Vornamen und schaltest in unterschiedlichen Situationen bewusst zwischen Alexander und Ali um.
00:01:04: Ist das für dich so quasi wie ein Schlüsseln der unterschiedliche Türen öffnen kann?
00:01:10: Sowohl Tüern in migrantischen Communities als auch Türend zum klassischen Ü-Fünfzig Bayern unter dem du dir ja sehr viel vorstellen kannst aufgrund deiner Rikscha-Tätigkeiten auf dem Oktoberfest.
00:01:23: Genau, genau das ist es.
00:01:26: Sehr gut auf den Punkt gebracht!
00:01:27: Ja ich benutze meinen Vornamen sehr flexibel.
00:01:32: Manchmal bin ich Alexander manchmal bin ich Ali je nach Situation in Vorstellungsgesprächen im Job.
00:01:39: War ich früher mal Alexander?
00:01:41: Inzwischen habe ich so ein bisschen zu meiner Marke gebaut auch Ali sein zu können.
00:01:45: deswegen ist es gerade ein bisschen aufgeweicht.
00:01:48: Aber ja, in einer Hauspartie in Kreuzberg bin ich dann plötzlich super gerne Ali.
00:01:55: Also da bin ich sehr flexibel.
00:01:57: Aber hast du das quasi immer nur so zu deinem Vorteil benutzt?
00:02:00: Oder man könnte es ja auch benutzen um mal zu provozieren an der richtigen Stelle?
00:02:06: Also ich habe gemerkt dass ich als Kind den Namen, den Spitznamen Ali sehr gern mochte.
00:02:11: also meine Mutter ist aus Ägypten Und die meine Eltern haben mich ganz bewusst Alexander genannt, damit ich dann in Ägypten Ali sein kann quasi als Abkürzung meines längeren deutschen Name.
00:02:25: Ich hab diesen Namen geliebt als Kind und habe mich dann immer bewusst Ali genannt und fand es ganz toll... ...und er hat dann als Teenager irgendwann gemerkt dass es ein bisschen so blöde Sprüche gibt und dann habe ich mich plötzlich geschämt für den Namen.
00:02:37: Ich habe ihn sogar eine Jahr lang versucht abzulegen und war dann Alex oder Alex, da war ich gerade in England deswegen Alex Und dann habe ich ihn wieder vermisst und so ungefähr ... ... im Jahr zwölf vierzehn, fünfzehn rum habe ich dann sehr bewusst auch diesen Namen Ali mich mit Ali vorgestellt um irgendwie ja auch so ein bisschen so einen Statement zu setzen glaube ich.
00:03:00: Aber auch weil ich den Namen einfach mochte und selbst auch mehr mich mit meinem kulturellen Hintergrund beschäftigt habe.
00:03:06: Dazu kommen wir gleich nochmal.
00:03:08: Ich gehe noch mal auf deine ägyptische Mutter ein die dir ja bewusst, wie du gerade gesagt hast diesen deutschen Namen gegeben hat.
00:03:15: Er ist noch Deutscher nämlich Alexander Philipp Gutzfeld.
00:03:20: also Deutscher geht schon fast gar nicht mehr.
00:03:22: und dann kommt man noch aus München und ihr Argument war sozusagen leichter Job- und Wohnung quasi eine sprachliche Tarnkappe.
00:03:32: hat sie dir irgendwie mitgegeben?
00:03:35: Und was sagst du jetzt im Nachhinein über dieses Deutschland in der deine Mutter gelebt hat in der sie dir vorsorglich einen Namen gibt, hinter dem man sich notfalls auch irgendwie verstecken kann kulturell sozusagen.
00:03:47: Ja es sagt natürlich super viel aus.
00:03:49: also Sie heißt selber Inji El-Topki sehr arabisch und sie hat glaube ich da schon die Erfahrung gemacht dass es vielleicht nicht immer hilfreich ist so zu nennen.
00:04:04: Sie selbst hatte jetzt gar nicht so viele Diskriminierung erlebt aber trotzdem war es immer so selbstverständlich.
00:04:10: Na klar, das kann dir auch schaden zuzuheißen.
00:04:12: Das kann dir ja Schaden im Job.
00:04:14: Es kann dir insgesamt eher... Kann eher da zum Nachteil sein und mit dem Bewusstsein bin ich immer aufgewachsen.
00:04:24: Einerseits ein Nachteil ist in diesem Land.
00:04:27: Gleichzeitig habe ich aber auch die Erfahrung gemacht weil ich in München im Glockenbaffettel aufgewachsen bin.
00:04:32: Ist dann schon sehr liberal ist, dass es auch wiederum ein Vorteil für mich sein kann oder ich das irgendwie auch spannend fand weil man damit irgendwie aufgefallen ist und was ... Oder zumindest irgendwie etwas Besonderes war.
00:04:44: Zumindest war das immer eine Eigensicht drauf die natürlich aber auch wieder aus der ... Sehr bequemer, eine sehr bequeme Eigensucht ist, weil ich immer wenn ich wollte dann auch wieder Alexander sein konnte.
00:04:54: Und das ist natürlich einen Fakt, dass man mit einem ... Ich sag mal migrantisch klingenden Namen eher diskriminiert wird und deswegen, also der Name reicht oft.
00:05:07: Und das ist... Deswegen war es sehr klug vielleicht auch ein bisschen traurig, dass ich's machen muss aber sehr vorausschauend von meiner Mutter mir diesen Namen zu geben, da hat sie mich auf jeden Fall leichter gemacht machts mir leicht einen Interview anfragen wenn ich eben konservative Bierbrauer anschreibe weil mir das eher eine Tür öffnet oder zumindest ein Interview wo die Person nicht gleich misstrauisch einen anblickt sondern gleich auf Bayerisch mit einem spricht.
00:05:35: Es macht viele Situationen erst mal leichter und ich merke, dass es als Juridist oft hilft wenn man nicht auffällt oder durchrutscht, weil man der unsichtbare Fragesteller sein kann.
00:05:48: und da ist das natürlich super, wenn man zwischen Identitäten wandeln kann.
00:05:54: Auf Namensebene konntest du das natürlich immer tun, aber wir sprechen ja hier auch über Sprache.
00:05:59: Auf sprachlicher Ebene war es natürlich nicht so gut machbar.
00:06:02: Vielleicht unter anderem aus diesem Grund vermute ich bist du irgendwann auch mal nach Cairo gegangen
00:06:08: und
00:06:08: hast du als Masters und hast da auch arabisch gelernt.
00:06:12: Und dass du auch mal beschrieben wie du dich gefreut hast wenn du auf Arabisch angesprochen wurdest und dann aber auch die Enttäuschung im Gesicht des Gegenübers irgendwie wahrgenommen hast.
00:06:21: Wenn ist arabisch vielleicht nicht ganz so Perfekt, Saas.
00:06:25: Was haben vor allem diese sprachlichen Erfahrungen in Ägypten mit dir und deinen zwei Identitäten?
00:06:32: Und deinen zwei Namen vielleicht auch irgendwie gemacht?
00:06:35: Kannst du das beschreiben?
00:06:37: Also erst mal war das... habe ich erst einmal gemerkt wie schwer diese unglaublich schwer diese Sprache ist sondern meine Mama verflucht.
00:06:44: also bei meinem Namen fand ich sie super aber ich hab sie verfluchten dass sie nicht einfach die ganze Zeit neu auf Arabisch mit mir geredet hat, weil dann hätte ich diese Tortur nicht durchstehen müssen.
00:06:56: Und das war auch so ein bisschen so ein Erlebnis des Scheiterns.
00:06:58: also ich kann immer noch nicht sehr gut arabisch und gleichzeitig war es natürlich trotzdem toll und auch sehr interessant in so lange außerhalb von Europas zu leben zum ersten Mal eigentlich und um zu merken okay ich bin auf den ersten Blick bin ich gehe oft durch als aber oft auch nicht.
00:07:17: Das ist ja auch viel mit Klasse zu tun und ich bin auch ein bisschen heller.
00:07:22: Aber deswegen habe ich mich immer gefreut, wenn ich dann auf Arabisch angesprochen wurde... ...und nicht quasi durchgerutscht bin und akzeptiert wurde.
00:07:30: Und dann war es aber umso enttäuschender genau für mein Gegenüber,... ...wenn ich dann nur mit gebrochenen arabisch geantwortet hatte.
00:07:37: Also ich hatte quasi diesen deutschen Bonus, den man vielleicht als blonder Hans hat,... ...dass sich alle freuen, wenn man drei arabische Wörter sagt und dann sofort alle jubeln.
00:07:48: und einen lieben, bei mir war es eigentlich das Gegenteil.
00:07:51: Und ich habe gemerkt in der Zeit, dass ich kein richtige Araber bin.
00:08:00: Also so naiv war ich davor irgendwie, dass sich immer dachte, ich bin halt halb Ägypter... ...und dann habe ich gemerkt, nee, irgendwie bin ich schon sehr europäisch.. ..und ist auch okay!
00:08:10: Weil ich in Ägypten als Europäer aufgefallen bin aber auch in Europa, Deutschland Super als Europäer durchgehe.
00:08:20: Und das heißt nicht, dass ich diesen Hintergrund habe und mich auch toll finde aber... Ich bin einfach anders aufgewachsen als die meisten anderen Alis in Deutschland und vor allem in Ägypten natürlich.
00:08:33: Im Glockenbach Viertel?
00:08:35: Genau!
00:08:36: Wie viel hat dir zu sagen, weil du gesagt hast jetzt ist es jetzt nicht mehr so, ich hab das mal so wahrgenommen, nicht mehr fifti-fifty sondern eigentlich bin ich mehr deutscher.
00:08:44: wieviel Komponente spielt dabei tatsächlich die Sprache.
00:08:51: Wenn du jetzt sozusagen fließend arabisch auch zu Hause gelernt hättest bei deiner Mutter, was du ja gerade gesagt hast, dass du nicht hast, dann kannst du dir vorstellen das sehr viel mit deiner Identität gemacht hätte als auch Ägypter.
00:09:07: Wer dann fünftig-fünfzig, wenn du beide Sprachen gleich gut ausgeprägt werden ist natürlich spekulativ?
00:09:15: Ich weiß jetzt nicht, was der Anteil wäre.
00:09:17: Aber ich glaube er könnte größer sein.
00:09:20: Weil es mir dann leichter viele auch in Ägypten mit den Leuten ins Gespräch zu kommen weil ich mehr verstehen würde, weil ich mir Witze verstehen würde.
00:09:26: Weil ich insgesamt mit der Sprache näher dran wäre an der Kultur.
00:09:31: Also ich glaub das vor allem im Arabischen die Sprache sehr wichtig ist und sehr verschiedene Länder kulturell zusammenhält also schon einfach ein sehr wichtiges Merkmal und so ein Identifikationsmittel.
00:09:50: Und ich glaube, da wird es mir schon leichter fallen irgendwie mich reinzufinden.
00:09:59: Ich glaube aber trotzdem dass ich auch ohne die Sprache viel kulturelles mitbekommen habe durch meine Mutter weil sie einfach viel sehr, sehr enge Verbindungen hat zu Ägypten.
00:10:11: Aber das wäre nochmal mehr!
00:10:14: In deinem Podcast aktuell, also nicht mehr mein Land ziehst du eine Linie vom Flüchtlingssommer nenne ich es jetzt mal bis heute und wenn ich deine Beobachtung da so zusammenfassen darf.
00:10:30: Migration hat sich gewandelt von einem Begriff von Chance eher wohin zu einem Schimpfwort hin mutiert ist sozusagen Wo spürst du diese sprachlichen Verhärtlingungen am deutlichsten?
00:10:45: Oder gibt es da irgendwie Geschichten, die du dazu erzählen kannst, die sozusagen sehr präsent für diesen Wandel stehen.
00:10:53: Also ich kann's von mir selber so ein bisschen beantworten.
00:10:56: In den letzten Jahren hat er eine unglaubliche Euphorie gespürt auch in Deutschland als es um Flüchtlinge ging, Migrationen ging und ich hatte das Gefühl, dass ich etwas stolz bin ... auf diesen kulturellen Hintergrund, den ich habe.
00:11:11: Und hab dann selber auch ... ... nur noch mal mehr motiviert Arabisch zu lernen... ... mich damit zu beschäftigen.
00:11:17: und ich hatte das Gefühl, ah!
00:11:19: Deutschland, dass ich dann schon oft als Spießdick war genommen habe,... ... ist gar nicht so spießig sondern sehr offen und plötzlich feiern sich alle dafür irgendwie Leute aufzunehmen.
00:11:29: Ich habe eine unglaubliche Offenheit gespürt und diese Stimmung hat sie schon ... ... sehr gewandelt.
00:11:36: also ... Es wird, wenn über Migration geredet wird, meistens oder sehr oft zumindest negativ darüber gerede.
00:11:45: Auch ich bin ja Journalist also in den Medien, wenn es um Migration geht, geht's oft um zunächst negativ konnotierte Debatten, um extrem Beispiele und gescheiterte Integrationen.
00:11:59: Und ich glaube schon ist das in den Köpfen der Menschen oft einen negativen Weihgeschmack hat was natürlich super schade ist.
00:12:06: Aber woher kommt der Wandel?
00:12:07: Also, woher kommen sozusagen zunächst das ist Initial.
00:12:11: Sehr sehr positiven zumindest in der Wahrnehmung.
00:12:15: und woher Kommt der wandel zu diesem eher ablehnenden Zumindest eine wahrnehmungen.
00:12:21: was was was waren die gründe Deiner meinung?
00:12:24: ich weiß gar nicht ob so ein krasser wandel ist.
00:12:26: also natürlich nehmen wir das jetzt im rückgriff.
00:12:29: so war als ich glaube dass zwei tausend fünfzehn her so ein besonderes ereignis war indem plötzlich die Stimmen lauter wurden und plötzlich die stimm im Mainstream waren, die da sehr offen gegen Migrationen waren.
00:12:44: Und sie haben dazu geführt dass sich eine Zeit lang erst so ein Rausch ist und die Deutschen sich an sich selbst berauscht haben in ihrer Willkommensskulptur.
00:12:54: aber die Leute, die kritisch auf Migration geblickt haben, die gab es auch und die waren bloß stiller und nicht so zu hören.
00:13:02: Eigentlich mit Köln, der Silvesternacht in Kölnen sind die Stimmen dann wieder lauter geworden und da ist eine Debatte entstanden.
00:13:10: Die es auch schon in den neunziger Jahren gab natürlich dies davor schon gab aber sie sich dann als Backlash glaube ich dem wir in den letzten Jahren erleben größer anfühlt und vielleicht ist das auch größer.
00:13:24: also die AfD ist natürlich schon ein Brandbestörmiger von Debatten die sehr impaired geführt werden.
00:13:32: Also ich glaube schon, dass das nicht nur ein Gefühl ist sondern es gibt schon einfach Debatten die angefeuert werden.
00:13:39: Aber ich glaube trotzdem, dass man aufpassen muss und jetzt nichts sagen kann, im Jahr war das super und seitdem ist alles schlecht geworden.
00:13:48: Und gleichzeitig gab's in den letzten Jahren natürlich auch in vielen Aspekten eine Fortschritte Liberalisierung, die Leute waren irgendwie sensibler gegenüber dem migrantischen Positionen, gegenüber Diskriminierungserfahrungen und so.
00:14:05: Das ist alles passiert auch in den letzten Jahren.
00:14:08: Und gerade erleben wir jetzt ein Backlash von rechts und diese Stimmen sind grade eben sehr laut.
00:14:16: Halbzeit auf der Edu-Cout.
00:14:18: Diese Staffel entsteht in Kooperation mit Cornelsen und dem Goethe-Institut USA.
00:14:24: Danke an die Partner, die unsere Reise durch Elfländer möglich machen.
00:14:29: Halbzeit
00:14:30: Ende!
00:14:47: Ich
00:14:54: glaube, ich bin relativ großen.
00:14:56: Also ich glaube... dass wir... ...Jualisten per Beruf und wie... wie... ...Visualismus heute funktioniert nämlich natürlich auch über Clips, über Aufmerksamkeit schon auf dem die Falle Tappen extrem Beispiele zu berichten im Guten wie im Schlechten.
00:15:15: also es gibt entweder die Helden, da habe ich auch nur eine Folge GITZ in einem Podcast herum der Jetzt um einen Helden, den Helden von Würzburg der sich gegen ein Amokläufer gestellt hat und er wird dann so als Sonderbeispiel und als Held eben wurde gefeiert auch in der Bildzeitung in anderen Medien.
00:15:37: Und wenn es Helden gibt jetzt natürlich dann auch die Gegenbeispiele die Terroristen oder die Versager irgendwie uns eine Last sind.
00:15:49: Ich glaube, in dieser ganzen Migrationsstapazie geht es auch in der Berichterstattung oft um sehr extreme Beispiele und Gewalt.
00:15:54: Um gescheiterte Integration.
00:15:56: Und wir erzählen viel zu selten so die normalen Geschichten und sie sind oft relativ unspektakulär.
00:16:02: Gibt's auch Probleme aber sind eben nicht so extrem und ich glaube das ist eigentlich Migration.
00:16:09: Die alltäglichen Probleme sich oft gar nicht so sehr, die oft nicht so spektakuläre sind.
00:16:15: Du beobachtest ja auch gerne und intensiv Milieus, in denen Dinge auch anders deutlich werden wie an anderen Milieu.
00:16:25: Also zum Beispiel auf dem Oktoberfest was ich schon erwähnt habe oder bei politischen Veranstaltungen in der Provinz in denen dann Begriffe wie Remigration ganz offen über den Tisch gehen?
00:16:40: Wie reagierst du in solchen Situationen direkt, also nicht nachher in der Reflexion oder im Schreiben sondern direkt in der Situation.
00:16:49: Ja ich bin da meistens sehr bewusst naiv und offen und im Idealfall frage ich einfach nach... Also ich mag die Rolle auch super gern, da als Reporter zu stehen und Leute mir gegenüberstehen zu haben, die oft eine ganz andere Meinung haben als ich und einfach diese Perspektive zu verstehen egal wie absurd die erstmal klingt und einfach zu versuchen, so neugierig.
00:17:14: Und offen wie möglich zu sein und erst mal einfach die Person zu verstehen.
00:17:20: Das heißt nicht dass ich nicht mehr auch widerspreche also es kommt dann auch manchmal zur Diskussion aber erstmal versuche ich einfach wirklich die andere Personen zu verstehen egal wie absurd.
00:17:29: das ist was sie da gerade sagt.
00:17:34: Und manchmal und oft habe ich dann also für die besten Interviews die bei denen ich dann auch etwas verstanden hab.
00:17:39: Das ist eine wunderbare Überleitung in die nächste Frage, weil in der wird gleich ne Person vorkommen und der ich ausgehe dass sie auch genau so arbeitet.
00:17:48: Ich geh zurück du magst das Abgründige habe ich gehört?
00:17:52: Ich auch!
00:17:54: Und darum habe ich gestern unter anderem wieder mal am Abend eine Folge von Elisabeth Spiras Alltagsgeschichten gesehen.
00:18:01: Ich weiß nicht ob Du die kennst aber Sie würden dir wenn Du sie nicht kennst gefallen.
00:18:04: Leider nicht, leider nicht ausklingt.
00:18:06: super muss ich mir... Muss ich mir anhören oder anschauen?
00:18:09: Das ist ganz wichtig.
00:18:10: Gibt es auch auf YouTube Alltagsgeschichten, kann ich auch den Hörerinnen hier unbedingt empfehlen und sehr direkt reden Menschen im schwersten Wiener Dialekt am Würstelstand.
00:18:22: Ja,
00:18:22: kenne ich das auch.
00:18:22: da gibt's eine Frage über
00:18:26: die Ohne, oder?
00:18:27: Und die Hälfte geht man nicht und trotzdem weiß mal jeder Zeitung was es eigentlich geht.
00:18:32: der Klang wie Sprache transportiert quasi mehr als Die Inhalterworte.
00:18:38: gibt es für dich auch so Dialekte oder sprachliche Eigenheiten, die dich auf diese Art und Weise faszinieren.
00:18:44: Wo du so richtig reinkommst in dieser Art von Sprache?
00:18:49: Also ich bin jetzt kein Experte für Dialekten oder Soziolekte aber beim Lederhosenkartel da ging's ja um die Wiesen.
00:18:54: Da war das ganz klar mein Ziel genau dessen auch einzufangen.
00:18:59: also wir wollten auch bayerisch klingen und da ich leider nicht zu toll bayerische spreche mussten es meine Protagonisten liefern.
00:19:10: Und da haben wir auch echt immer wieder gesucht, auch nach Interviewpartnern die Bayerischen Sprechen, die eine Färbung haben das denen nicht irgendwie abzutrainieren sondern sie eher zu ermuntern auch bayisch zu reden.
00:19:20: und ich glaube es macht oft nur Dokumentationen aber auch Filme oft lebendiger spannender und toller wenn man da eben Soziokulturelle Unterschiede oder regionale Unterschiede auch hört und es so eine ganz eigene Färbung gibt.
00:19:39: Und ich finde auch, dass in Deutschland das viel zu wenig pflegt wird gefeiert wird.
00:19:45: Ich denke da auch an Spielfilme.
00:19:46: die meisten im meisten Reden ja vor Hochdeutsch obwohl wir diesen Schatz der Dialekte haben
00:19:52: Oder entfernt sind.
00:19:53: dann ne ganz ganz seltsame Pseudo-Version zum Beispiel von Bayerisch Bayerisch Sprache nochmal neu erfunden wird, die so niemand sprechen würde.
00:20:04: Ja oder dann reden irgendwie norddeutsche Bayerische, die ist dann eigentlich antrainiert.
00:20:08: Das habe ich auch schon gesehen in der Serie Hinderfing.
00:20:14: Ich
00:20:16: meine Punkte, die nicht gingen!
00:20:17: Richtig!
00:20:19: Genau.
00:20:19: und deswegen also ich liebe Kiroial Monaco Franzi alles was Helmut Dietl macht und da geht es ja auch ganz viel um Sprache als Träger von Soziokulturell im Hintergrund.
00:20:33: Und das macht die Charaktere auch aus.
00:20:35: und in die Richtung haben wir auch gedacht, bei Lederhosenkartei natürlich kann man es weniger steuern.
00:20:40: Die Leute reden halt so wie sie reden aber oft wird es dann umso toller wenn man merkt okay da ist eine Person... ...die spricht halt wie er der Schnabel gewachsen ist.
00:20:50: Es gibt nicht mehr über Land eine Folge mit einem Fortarbeiter aus Köln Und ich glaube, der kam deswegen auch so gut an.
00:20:58: Weil er natürlich auch seinen kreinischen Dialekt spricht.
00:21:03: Genau!
00:21:03: Dann muss man nicht jedes Wort verstehen?
00:21:06: Ja, einmal versteht es trotzdem.
00:21:10: Wir haben eine Kategorie eingebaut weil die auf Weltmeisterschaft ist.
00:21:14: Die heißt Rote Karte Klischee Check.
00:21:16: Du darfst jetzt ne rote Karten vergeben an ein Kligee zum Beispiel Über Migration, über Menschen mit zwei Namen oder... ...über die Art wie in Deutschland.
00:21:28: Über all das was wir gerade besprochen haben.
00:21:30: Rede haben?
00:21:31: Oder ganz was anderes.
00:21:32: du darfst ne rote Karte vergeben.
00:21:33: also was ich gehört habe Ich weiß aber nicht ob es eine rote karte ist.
00:21:36: Ich fand es eher interessant.
00:21:40: Bastian Schweinsteiger hat gesagt zu der Elfenbeinküste diesen Ganz schwierig zu bespielen weil die so wild Fußball spielen und so untaktisch, sind schwer auszurechnen.
00:21:56: Danach gab es Gegenwind auch verständlicherweise.
00:22:01: Ich glaube das ist von ihm gar nicht böse gemeinte wie es so oft so ist.
00:22:06: aber gleichzeitig finde ich es total wichtig dass den Leuten halt klar wird was die damit sagen wenn sie sagen und was der ganze Palast ist der da mitschwingt.
00:22:13: also einfach Klischees über Wilde usw.
00:22:17: Es wäre unglaublich wichtig Dass man doch trotzdem auch so was aufmerksam macht, ohne schulmeisterlich zu klicken und das ist so schwierig.
00:22:25: Also dass man einfach erklärt, was daran... Was man damit auch sagt wenn er es sagt, ohne Leute jetzt groß zu verursachen.
00:22:32: Einfach ruhig
00:22:33: erklären, ohne eine große Empörungswelle loszutreten?
00:22:36: Das wäre ja
00:22:36: auch schön!
00:22:37: Also das ist etwas, was wir jetzt im Zuge der WM aufgefallen haben.
00:22:40: So diese Klischees über Fußballmannschaften aus Afrika die ganz wild Fußball spielen.
00:22:47: Genau, gleichzeitig ist vielleicht was dran, dass die ein anderes Spielstil haben.
00:22:51: Aber ich glaube man muss halt genau diskutieren wie spricht man sowas ohne gleich rassistische Klischees zu reproduzieren.
00:23:00: Die nächste Kategorie heißt Elfmeter Runde?
00:23:05: Alexander oder Ali?
00:23:06: wer macht morgens den Café?
00:23:10: Ali natürlich!
00:23:11: Ali ist der beste Freund Partner, der liebevoll den Kaffee macht.
00:23:21: Lieblingswort auf Deutsch.
00:23:24: Also ich mag ein langweiliges Wort aber ich mag das Wort geil, weil es so vulgär ist und gleichzeitig so viele Bedeutungsebenen hat.
00:23:33: Aber ich weiß nicht ob's mein lieblingswort ist.
00:23:35: Das nehme ich ab.
00:23:37: Cairo oder Neukölln?
00:23:39: Sorry Neuköln!
00:23:40: Ich liebe Neukörnen, aber Cairo... Jahrtausend alte Geschichten, da muss ich mich für Cairo entscheiden.
00:23:47: Der schönste Satz oder Gedanke, den dir jemand auf einer Reportage-Reise gesagt oder mitgegeben hat
00:23:53: und mir selber
00:23:54: mitgenommen hast?
00:23:56: Ich kann die schönste Moment sagen oder der überwältigste Moment.
00:24:03: Im Schloss von Gloria von Turn & Taxis war... Ich weiß nicht ob es schön war aber das war sehr überwältingend.
00:24:10: also Wir haben ewig lange zu ihr recherchiert.
00:24:12: Die ist sehr rechts und unglaublich viel, also auch relativ viele Einfluss und sagt ganz rechte nicht so tolle Dinge.
00:24:22: Und dann waren wir in dem Schloss und haben sich alles vergessen, weil das einfach so überwältigend war.
00:24:26: Es ist auch so ungerechtfertigt, dass diese eine Familie soviel besitzt hat aber es hat uns so erfolgreich geblendet.
00:24:33: Also da gab's alleine eine Bibliothek die irgendwie mehrere über mehrere Zimmer sich ausgebreitet hat eine eigene Gruppe und es war alles so viel.
00:24:44: Und ja, am Ende fand ich's einfach nur toll und faszinierend.
00:24:50: also die hatte auf jeden Fall Eindruck auf mich gemacht.
00:24:52: Die Macht der starken Inszenierung?
00:24:54: Ja!
00:24:56: Leitet super über in die nächste Frage erst zuhören oder Ersthaltung zeigen?
00:25:02: Auf jeden Fall erst zu hören.
00:25:03: aber Haltung ist natürlich auch wichtig.
00:25:06: Aber ich entscheide mich jetzt mal für zu hören weil das mein Job ist
00:25:10: Das heutige Deutschland in einem Satz für dich.
00:25:41: muss mich dann trotzdem für Buch entscheiden.
00:25:45: Und jetzt natürlich die allerwichtigste Frage von allen, für wen schlägt dein Herz bei der WM?
00:25:51: Deutschland, Ägypten oder völlig egal?
00:25:53: Weil am Ende keine Mannschaft so gut ist wie der FC Bayern?
00:25:57: Ja genau das würde ich sagen für jeden Spieler des FC Bayern aber doch auch für Deutschland Aber nicht so stark wie für den FC Bayern Das merke ich schon.
00:26:05: auch Freu mich jedes Mal wenn sie gewinnen und Ich bin aber auch nicht ganz traurig wenn Sie verlieren.
00:26:13: Nächste
00:26:13: Kategorie heißt Abseits, da dürfen wir ein bisschen abseitigere Fragen stellen.
00:26:21: Alex wohl dazu sagen.
00:26:43: Ich glaube, er hat es toll gefunden und hätte ihn vielleicht auch einen Push gegeben zu seinen eigenen Spitznamen zustehen und die blöden Blicke zu ignorieren oder die blödenden Kommentare zu überhören.
00:27:00: Vielleicht gibt's irgendwann Zeitreisen.
00:27:02: dann werden wir die letzte Frage Nachspielzeit.
00:27:06: Welche Frage hättest du heute gerne beantwortet, die ich dir aber leider nicht gestellt habe oder anders formuliert?
00:27:13: Welches Thema beschäftigt dich gerade über das wir einfach nicht gesprochen haben.
00:27:18: Fußball wäre mir gern sehr gerne bei Fußball geredet eigentlich.
00:27:22: Welche Themen beschäftigen wir dich gerade beim Fußball bei dieser WM?
00:27:25: was nimmt dich mit obwohl ja eigentlich irgendwie dieses Turnier schwierig ist und vieles davon schwierig ist usw.
00:27:31: Was nehmt dich trotzdem mit?
00:27:34: Ja das ist interessant, ich bin eigentlich ein totaler Zyniker beim Fußball.
00:27:37: Ich bin schon, würde ich sagen politisch denkender Mensch und habe alles gekauft.
00:27:40: hauptsächlich kann mein Fußball gucken.
00:27:42: Katar hab' ich mitgenommen auch ein bisschen aus Protest weil plötzlich alle eine WM Bull quitiert haben die sie glaube ich in jedem anderen Land geguckt hätten... ...und jetzt reg ich mich trotzdem tierisch über diese Hydration Break auf.
00:27:57: also ich werde dann wirklich so zum nur nach fünfzehn Zuschauer der sagt es doch nicht mal meinen Sport Weil ich so finde, dass es wirklich gegen alles geht was Fußball ist.
00:28:06: Also Fußball ist eben leb davon keine Pausen zu haben nicht ein amerikanischer Sport zu sein.
00:28:14: Keine Werbeblöcke im Spiel und für mich das einfach so offensichtlich Kommerz- und Mittelfinger Richtung den ganzen Zuschauer der auch nicht im Sinne des Sportes.
00:28:24: Der Sport verändert sich einfach dadurch, dass ich mich so ein bisschen aufrege.
00:28:28: aber ich find's auch sehr interessant wie sehr das den Sport gerade verändert.
00:28:33: Kommst du emotional noch rein im Spiel?
00:28:36: Ja, doch.
00:28:37: Aber es war bis jetzt nicht so sehr wie es bei vergangenen Turnieren mal war.
00:28:43: aber das kann auch noch passieren.
00:28:45: Also ich habe da schon eine große Toleranzgrenze und lasse mich dann doch durch ein Super-Spiel von Ulisse oder so begeistern.
00:28:54: Ich danke dir vielmals für dieses Gespräch über Kulturensprachen und deine Erfahrungen.
00:28:59: Dankeschön!
00:29:00: Es hat großen Spaß gemacht zu fragen.
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